Meditation zum Weltgebetstag

WGT 21
Bildrechte: Gemeindebrief

Herznah

Mitten im Bild sitzt du da, glühendrot,
Schwester aus Vanuatu.
Du kauerst den Naturgewalten hilflos ausgeliefert am Boden,
gekleidet in einen traditionellen Rock.
Schützend beugst du dich über dein Kind,
hältst es in deinen Armen.
In den Luftwurzeln eines Baumes
suchst du Schutz und Halt.
Ein Zyklon ist über deine Heimat gekommen,
urgewaltig und zerstörerisch.
Die Palme über dir biegt sich im Sturm,
droht zu brechen.
Ohrenbetäubend fegt der Wind über das Land.
Im aufgepeitschten Meer sind auch Schiffe
zum grausamen Spiel der Wellen geworden.
Sie sind klein, fast filigran,
zeigen die ganze Zerbrechlichkeit der Zivilisation.
Nach dem Grauen brennt der Himmel feuerrot,
es ist windstill. Der Sturm hat sich gelegt. Es ist heiß….
Holzkreuze stehen auf einem Hügel,
nüchtern und schmucklos erinnern sie an die Opfer,
an Tod und Trauer.
Und doch... das Rot zieht in den Himmel,
durchwebt zart den Horizont
und eröffnet den Blick auf einen neuen Morgen.
Im Inneren magst du leise die alten Worte hören:
Und nähme ich die Flügel der Morgenröte und bliebe am
äußersten Meer, so würde auch dort DEINE Hand mich halten
und DEINE Rechte mich führen.
Ja, rufe ich dir zu, du wirst aufstehen, auferstehen!
Herznah will ich an deiner Seite
SEIN Friedensreich bauen,
dass der Himmel die Erde berühre.

Catherine Rohloff-Lyk, zitiert nach "Weltgebetstag, Ideen für Gottesdienst und Vorbereitung" S. 6